Mit 16 Jahren auf der re:publica 2014

Jan dürfte einer der jüngsten Besucher der re:publica 2014
sein.
  Dieses Interview führten wir auf der Reise nach Berlin:

Jan, einer unserer ehemaligen Praktikanten und Bruder vom
Netzwerkpartner Mario Keller, fuhr mit mir im Zugabteil mit.
Die Idee, ein Interview zu machen kam mir, als ich mit Jan ein
paar sehr interessante Worte gewechselt hatte. Besonders seine
Einstellung zum Gleichgewicht von der Offline- und der Onlinewelt
hat mich beeindruckt!

Jan (links im Bild) ist 16 Jahre alt und wurde extra von der Berufsfachschule
für Wirtschaft in Wangen für den Trip nach Berlin auf die
re:publica vom Unterricht befreit.

Hallo Jan, Du bist auf dem Weg zur re:publica 2014.
Was erwartest Du von diesem Event?
Ich erwarte interessante Gespräche mit Leuten auf der
Media Convention und der re:publica. Da ich dort das erste Mal
bin, werde ich bestimmt interessante Menschen treffen die mich
weiterbringen und inspirieren. Was mich sehr interessiert sind
die Themen zur Veränderung der Gesellschaft als Reaktion auf
das Internet und umgekehrt.
Da ich selbst im Social Media Bereich arbeite, bin ich mir sicher,
dass ich einige Inputs auch direkt anwenden kann und einigen
spannenden Vorträgen lauschen darf.

Wie kommunizierst Du mit Deinen Freunden, welches
ist das
meist genutzte Programm/App oder Tool?
Januar 2010 war ich der erste aus meiner Klasse, der auf
Facebook ging. SchülerVZ hat mich gelangweilt. Von Anfang
an habe ich mich sehr stark mit den Möglichkeiten auf Facebook
beschäftigt. Mittlerweile ist Facebook für mich ein Alltags-
gegenstand geworden. Also nichts spannendes mehr. Meistens
sind es hierbei Gruppenposts in geschlossenen Gruppen oder
Chats. Öffentlich posten tu ich nichtmehr viel, da ich mit der
Öffentlichkeit etwas vorsichtig geworden bin.
(Angst vor Negativeinflüssen auf zukünftige Bewerbungen.)
Facebook ist für mich nicht so wichtig. Am meisten kommuni-
ziere ich mit der App “WhatsApp”.
Twitter nutze ich für öffentliche Posts, Meinungsäußerungen
und Stellungnahmen.
Das mache ich sehr intensiv. Ich schätze die Community sehr
und die Inhalte, die Kanäle, die ich mir zurechtgelegt habe,
sind immer sehr informativ für mich.

Stimmt es, dass Facebook uncool geworden ist?
In meiner jetzigen Generation würde ich “JA” sagen.
Facebook wird immer älter. Meine Eltern nutzen Facebook
sehr oft für die Freizeitplanung und um sich die lustigen
Gags anzusehen. Ich bin mit meinen Eltern nicht befreundet,
weil ich mich nicht für deren Inhalte interessiere und die
Kontrolle umgehen möchte.
Auf Facebook nervt mich auch die Verkommenheit der
Rechtschreibhygiene. Man schreibt groß und klein wie man will.
Es wird immer mehr Quatsch veröffentlicht, was für mich keinen
informativen Mehrwert darstellt.

Du zählst zu den sogenannten “Digital Natives”, also
denen, die mit dem digitalen Zeitalter aufgewachsen
sind. Siehst Du Dich in dieser Rolle, separiert von den
Digital Immigrants, also denen, die sich mit dem
digitalen Wandel in der Kommunikation eher
schwertun? Woran merkst Du es?

Ja ein Unterschied ist sehr spürbar. Die älteren Menschen tun
sich sehr schwer mit den neuen Medien, weil sie die Entwicklung
nicht ganz verstehen. Sie wollen es verstehen, doch brauchen
sie jemanden, der es ihnen beibringt.
Immer mehr Digital Natives geben sogar Vorträge um den
älteren Generationen etwas beizubringen. Dass Kommunikation
so große Dimensionen annimmt, ist für die ältere Generation
nicht greifbar. (Reichweite eines Posts auf Facebook).

Leider urteilen Digital Immigrants sehr schnell negativ über
die neuen Medien, wenn sie überfordert sind, statt sich neugierig
zu nähern. Die Digital Immigrants sehen hauptsächlich das Negative,
solange, bis sie selbst davon einen Nutzen haben. Das ist fast
immer so. Das sieht man sogar am Beispiel der Schulpolitik.
Diese verbietet es Lehrern mit ihren Schülern auf Facebook zu
kommunizieren.

“Yes we scan” war der Aufruf einer eigenen Bewegung:
Die NSA-Affäre machte viele Menschen skeptisch im
Umgang mit Daten, Profilen und Angaben im Internet.
Du bist bei vielen Social Media Kanälen angemeldet,
hast Du da keine Angst vor Datenmissbrauch?

Mir ist es generell egal wer meine Daten hat. Ich lade keine
anstößigen Sachen hoch und achte darauf, was ich ins Netz
stelle und welche Kanäle ich für was nutze.

Ich finde es toll, wenn man mit seinen Freunden teilen kann,
wo man gerade ist und was man macht. Ein bisschen sollte
man sich damit beschäftigen, sich eine halbe Stunde die Zeit
nehmen und sich vernünftig mit den Privatsphäre-Einstellungen
auseinandersetzen. Wenn man nicht will, dass einer weiß,
wo man gerade ist, kann man das ganz einfach deaktivieren.

Worin liegt für Dich der Nutzen von Social Media
Kommunikation, gibt es einen absoluten Mehrwert?

Wenn ich gerade im Kino in Kempten bin und einer Freundin
schreibe, ob sie Lust auf einen Kaffee hat, ist sie in 30 Minuten
da und ich kann meinen Besuch in Kempten sogar zum spontanen
Verabreden nutzen.
Gehe ich in einer Masse von Menschen, wie zum Beispiel eines
Festivals verloren, finde ich meine Leute einfacher durch die
Standortlokalisierung und dem Senden von Fotos.
Die Interaktion untereinander, also zwischen Firma und Endkunde
ist so noch nie dagewesen. Am Bahnsteig war ich für ganze
25 Minuten der einzige, der wusste, dass und warum die Bahn
Verspätung hatte, weil die ich die Bahn via Twitter gefragt habe.
Social Media ersetzt mühsame Ursachenforschung z.B. bei
Reklamationen. Früher war es eine Hotline, heute ist es
Facebook oder Twitter.

Welche Projekte hast Du bereits begleitet,
geleitet oder selber umgesetzt?

Angefangen hat es mit Jan & Janik. Das war mein erstes
Filmprojekt, welches eig. aus Langeweile entstanden ist.
Wir wollten einfach mal YouTube ausprobieren.
Juni 2011 hatten wir innerhalb kurzer Zeit schon
38.000 Views für unseren Kanal.
Sonst habe ich für Vereine wie den TSV Oberstaufen kleinere
Projekte umgesetzt. Für die Hündle und Imbergbahn habe
ich Filmprojekte gemacht und Podcasts erstellt.
Inhalt dieser Podcast waren aktuelle Berichte und Attraktionen
beider Betriebe. Hier geht’s zum Projekt

Seit letztem Jahr betreue ich die Facebook-Seite und den
YouTube-Channel des Aquaria Erlebnisbades in Kooperation
mit “Junge mit Ideen”.
Meine Aufgabe ist das aktive Community Management.
Hier geht’s zum Projekt

In Dornbirn habe ich für die Handballspecials
(Gemeinschaft von körperlich eingeschränken Personen)
einen Imagefilm umgesetzt. Hier geht’s zum Projekt

Hast Du ein Hobby in der Offline-Welt?
Mein Hobby ist Handball in der Liga im Verein und
gelegentlich spiele ich Tennis mit meinen Freunden.
Hier geht’s zum Video des Handballtrainingslagers 2013
meiner Mannschaft

Könntest Du Dir ein Leben ohne Smartphone,
geschweige denn Internet vorstellen?

Das Internet könnte ich mir in meinem Leben nichtmehr weg-
denken. Davon bin ich total abhängig. Das erste was ich morgens
checke sind meine Nachrichten auf Facebook, WhatsApp und Co.
Das Internet hat die tolle Eigenschaft, dass man auf so viele
interessante Dinge stoßen und Wissen zu jedem Zeitpunkt abrufen
kann.
Die Kultur und das Kennenlernen von Menschen ist einfach toll.
Auf meinem Smartphone bin ich via Social Media immer erreichbar,
das möchte ich behalten. Allein mein Zugriff auf die Bilder, die
ich meinen Freunden zeigen kann, würde ich schon sehr vermissen.
Da ich täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln Reise, habe ich über
das Smartphone und das Internet immer den Überblick, das möchte
ich nicht missen.

Welche Meinung hast Du über den Digitalen
Wandel der Kommunikation?

Ich bin sehr überzeugt von den neuen Wegen der Kommunikation.
Alles ist spannender und informativer geworden. Das birgt aber
auch Gefahren. Man muss sich genug Zeit nehmen um mal raus
zu gehen und seine Sinne benutzen. Wenn ich mir jüngere Leute
ansehe, kann ich die Negativauswirkungen der digitalen
Kommunikation sehen: Die haben zum Teil Probleme Gestiken und
Mimiken richtig zu deuten oder ihre Emotionen mitzuteilen, von der
korrekten Rechtschreibung ganz zu schweigen. Mangelnde
Bewegung und eine verzerrte Wahrnehmung sind Folgen, wenn
man immer nur vor der Flimmerkiste sitzt oder ins Smartphone
schaut. Man bekommt nichts mehr mit von der Umwelt.

Wenn Ihr mehr über Jan Keller wissen wollt,
nehmt gerne Kontakt zu
ihm auf:

E-Mail: jankeller98@me.com
http://facebook.com/jaaanke
http://twitter.com/jaaanke
http://youtube.com/smith1740
http://vimeo.com/jankeller
http://instagram.com/jankeller
http://kswangen.de

re:publica 14 - INTO THE WILD

5 comments on “Mit 16 Jahren auf der re:publica 2014

  1. LetMeTalk on said:

    Lieber Jan,
    wir haben einen 14jährigen Speaker dabei, vielleicht wollt ihr euch treffen?

    Am Mittwoch haben wir unsere Session: “A nerd, an autistic boy and a mother develop an app.”

    http://re-publica.de/session/nerd-autistic-boy-and-mother-develop-app

    Herzliche Grüße
    Doreen Kröber

    • Moritz on said:

      Grüß Dich Doreen,

      Danke für den Hinweis.
      Sie war uns aus dem Sessionplan nicht ersichtlich.
      Jan und sie haben sich mittlerweile getroffen.
      Super, ich bin gespannt auf ihren Vortrag.

      Viel Spaß weiterhin auf der re:publica 2014.

      Grüße,

      Moritz

  2. LetMeTalk on said:

    Die Kids haben sich getroffen?

    Prima, hat unser Speaker nicht erzählt, ich werde gleich mal nachfragen.

    LG Doreen

    • Moritz on said:

      Wir haben das Interview mit Heike auch geführt. Die Abschrift folgt hier als neuer Beitrag im Blog. Denke gegen 16 Uhr!

    • Moritz on said:

      Artikel ist online: http://blog.jungemitideen.de/wp/interview-mit-heike-hoffmann-16-jahrige-speakerin-auf-der-media-convention-berlin-2014-mcb14/

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