Harlem Shake, mal mit Hintergrund

Den neuen Harlem Shake Trend kennt doch inzwischen jeder…ok,  zumindest fast jeder
der internetaffin ist. Schließlich gibt es laut Youtube-Trendmanager Kevin Allocca
Mittlerweile mehr als 12.000 “Harlem-Shake”-Videos und jeden Tag 4000 neue…wir
haben uns auch schon überlegt, ob wir als Social Media Agentur solch ein Video drehen
sollten. Stattdessen haben wir uns lieber hingesetzt, nachgedacht und recherchiert was da
eigentlich passiert ist und grade passiert. Der Harlem Shake, oder auch Harlem Shake
Meme, laut aktueller Auffassung, funktioniert folgendermaßen:

Nach etwa den ersten 15 Sekunden des Videos, wenn ein Bass einsetzt, beginnen von einem
Moment auf den anderen alle Personen mit unkontrollierten Bewegungen wie Zappeln und
Hüpfen. Der Übergang kann dabei entweder hart (durch einen Videoschnitt) oder fließend
sein. Zudem kann es sein, dass sie ihre Kleidung gewechselt haben und ausgefallene
Kostüme tragen. Eine Person ist dabei meist in einem Ganzkörperkostüm zu sehen.
Nach ungefähr 30 Sekunden ist das Video vorbei.

Quelle Wikipedia

Als auf Korrektheit fixierte Agentur, haben wir natürlich geprüft:

1. Was ist der Harlem Shake?
Der Tanzstil wurde Anfang der Achtzigerjahre im New Yorker Stadtteil Harlem erfunden.
Bei diesem Tanz geht es um das rhythmische Zurückreißen der Schultern und gleichzeitige
Stoßbewegungen der Hüfte. Wer ihn tatsächlich erlernen möchte sehe sich bitte diese
Videos an (zum totlachen):


Wichtig ist, dass die Videos schon vor 6 Jahren hochgeladen worden sind! Also voll
authentisch!

Aber grade die choreografische Freiheit hat das ursprünglich von fünf Jugendlichen, die
sich „The Sunny Coast Skate“ nennen und aus  Queensland, Australia kommen, stammende
Video zu solch einem Erfolg gemacht.
Zumindest war damit ein Hindernis ausgeräumt.

2. Woher kommt der Song?
Vermutlich ist der Song des New Yorker (Brooklyn) „electronic musicians“ namens Baauer
der Grund dafür, dass beim Harlem Shake Meme niemand den Harlem Shake tanzt, weil
der Song, der bei allen Videos im Hintergrund läuft Harlem Shake heißt! Denn es kam wohl
niemand auf die Idee das dieser Titel auf einem Dance-Move der Achtziger basiert :-/
Der Song hat übrigens seit dem Beginn des Trends die Charts vieler Länder gestürmt, und
Baauer ist über Nacht weltberühmt geworden. Alle seine geplanten Konzerte sind ausverkauft!

3. Warum ist das Gezappel so viral bzw. warum haben sich bestimmte Aspekte der
Choreografie des Memes durchgesetzt und andere nicht?
Eventuell liegt der Erfolg teilweise an der Erwartungshaltung oder Spannung des
Umbruches und der kurzen Videolänge. Die Washington Post dagegen erklärt sich die
Viralität anhand der Jump Cuts, des Hypnotischen Beats und wiederum der Kürze der
Videos. Zudem ist solch ein Video einfach zu machen. Schließlich muss sich die Kamera
nicht mal bewegen. In machen Kommentaren wird sogar erwähnt, dass verschiedene
Kameraeinstellungen die „Tradition“ brechen also gegen die Choreografie sprechen…
da haben wir sie schon: Die ersten Sittenwächter.

Dabei lebt die Vielfalt ja von immer neuen Ideen der Umsetzung! Herausragend ist
beispielsweise diese Umsetzung des Memes.

Und OMG die Kamera bewegt sich!
Wie man sieht braucht man sogar nur sich selbst, um ein solches Video zu drehen.
Aber zugegebener Maßen haben die meisten Videos zwischen 5 und 200 „Tänzer“.
Nichts desto trotz, scheint der individuelle humoristische Touch in den Videos dafür
verantwortlich zu sein, dass man immer wieder neue Videos sehen möchte.

Die Nichtsprachlichkeit (ok der Song ist auf Spanisch, aber wer merkt das schon?) führt
weiterhin dazu, dass alle Welt an dem Trend partizipieren kann…und das ist ein deutlich
breiteres Publikum, als nur die Englischsprecher. Nichts desto trotz ist der Suchbegriff
beispielsweise in China so gering, dass Google Trends keine Ergebnisse anzeigen kann:

In Indien dagegen ist der Trend vor allem in den Bundesstaaten
Karnataka und Maharashtra bekannt. Nicht, dass uns das viel sagen würde, aber es zeigt
doch wie unterschiedlich der Trend verbreitet ist. Der folgende Screenshot zeigt Beginn und
Intensität des Trends im Vergleich zwischen den USA, Deutschland, Neuseeland,
Australien und Indien.

Man sieht deutlich, dass der Trend bei höherer Intensität früher wieder aufhört!
Aber warum ist Neuseeland absoluter Vorreiter?
Die einzige uns schlüssige Erklärung ist, dass die Zugriffszahlen auf Youtube in Neuseeland
schon seit 2009 über denen der anderen liegt.

Aber zurück zu dem Phänomen und seinen Gründen:
Häufig wurde versucht den „Harlem Shake“ mit „Gangnam Style“ zu vergleichen. Allerdings
wurde Letzterer nicht ansatzweise so häufig immitiert. Daher könnte man Ersteren
aufgrund seiner Vervielfältigung eher mit „Planking“ vergleichen. Nachdem Planking
fotobasiert war, ist der „Harlem Shake“ jetzt das erste Video dieser Art und Intensität.

Und jetzt zu einer eigenen Betrachtung der Gründe für den Hype: Alles zuvor genannte
stimmt natürlich! Zudem scheint Verkleidung schon seit einigen Jahren ein Megatrend zu
sein. In den USA und vor allem England ist es bereits Normalität verkleidet auf eine ganz
normale Party zu gehen. Vielleicht gibt die dadurch die gewonnene Anonymität den
Partygästen eine gewisse Leichtlebigkeit, die sie ohne nicht erreichen würden.
Die Verkleidung löst die Protagonisten aus einer Identifizierungsnotwendigkeit, während
gleichzeitig die volle Aufmerksamkeit und Anerkennung vorhanden ist.

Im Prinzip resultiert die Motivation zu einem Harlem Shake Video aus dem Willen es zu
veröffentlichen. Veröffentlichen wiederum bedeutet: Einer Öffentlichkeit zugänglich zu
machen, also Protagonist zu werden, ein Publikum zu haben. Doch mit was hofft man als
Protagonist assoziiert zu werden?
Wir haben eine kleine (nicht im geringsten repräsentative) Umfrage gemacht, mit welchen
Begriffen sich die Publizierenden wohl aufladen möchten.

Hier das Ergebnis:
Neu, Cool, Party, Humor, Hipp, Witzig, Trend, Angesagt, Verrückt, Spass, Tanz,
Kreativität, Verkleidung, Nacktheit, Ekstase, Ausflippen und Publikum

Diese Begriffe könnten auch auf Gangnam Style zutreffen! Der Unterschied scheint in der
Einfachheit der Replizierbarkeit und die kreative Freiheit zu liegen. Zudem könnte das
Gefühl der Zugehörigkeit sehr wichtig sein. Man begibt sich mit der Veröffentlichung in
einen Kreis, man reiht sich geradezu in eine Tradition ein und versucht sie ein wenig
daran zu verändern, indem man eine neue Idee einfließen lässt. Man genießt die
Aufmerksamkeit eines positiv aufgeladenen Trends während man gleichzeig die
Sicherheit der Teilanonymität genießen kann.

Viel geborgener kann man sich kaum berühmt machen!

 

…und ja, wir haben auch ein Video gemacht :-)
Nich so lustig aber mit Hintergrund!

Hier unser Ergebnis, umgesetzt von unserem Praktikanten: Jan Keller

Alternativ hier der Link zu Vimeo.

One comment on “Harlem Shake, mal mit Hintergrund

  1. Žižek on said:

    Hab heute noch ein schönes Zitat dazu gefunden. Slavoj Žižek hat in der ZEIT auf die Frage, ob die Mayas recht hätten und die Welt im letzten Jahr untergegangen sein, geantwortet: “Jedenfalls hat das Video “Gangnam Style” von dem koreanischen Rapper Psy am 21. Dezember 2012 die magische Grenze von einer Milliarde Views durchbrochen. Ich denk, die Mayas hatten recht: Das war das Ende der Zivilisation.” Kluger Mann!

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